Aus Vermögen werden laufende Zahlungen
Ein Entnahmeplan organisiert regelmäßige Auszahlungen. Je nach Angebot werden dafür Anlagen verkauft, vorhandene Liquidität verwendet oder Ausschüttungen einbezogen. Eine Auszahlung ist deshalb nicht automatisch ein erwirtschafteter Ertrag: Sie kann teilweise oder vollständig aus dem vorhandenen Kapital stammen.
Diese Unterscheidung ist wesentlich. Eine Überweisung von beispielsweise 500 Euro im Monat sagt nichts darüber aus, ob das Portfolio diesen Betrag verdient hat oder ob sein Bestand schrumpft. Ein Auszahlungsplan und eine lebenslang garantierte Zahlung sind unterschiedliche Konstruktionen. Welche Funktionen ein Robo-Advisor anbietet, muss in seinen aktuellen Unterlagen geprüft werden.
Warum die Reihenfolge der Renditen zählt
Ohne Ein- und Auszahlungen führt dieselbe Folge von prozentualen Renditen in umgekehrter Reihenfolge zum gleichen Endwert. Sobald Geld entnommen wird, ändert sich die Rechnung. Frühe Verluste können dazu führen, dass ein größerer Anteil des verbliebenen Vermögens für die geplanten Ausgaben benötigt wird.
Diese Wechselwirkung wird als Renditereihenfolgerisiko bezeichnet. BlackRock illustriert den Mechanismus anhand hypothetischer Entnahmereihen. Die folgende eigene Rechnung verwendet bewusst nur zwei Jahre, damit jeder Schritt nachvollziehbar bleibt. Sie ist keine Vorhersage für einen bestimmten Anbieter.
Ausführliche Bildbeschreibung
A: 100.000 Euro, minus 20 Prozent, Entnahme 10.000 Euro ergibt 70.000 Euro. Danach plus 25 Prozent und Entnahme 10.000 Euro ergibt 77.500 Euro. B: zuerst plus 25 Prozent und Entnahme 10.000 Euro ergibt 115.000 Euro. Danach minus 20 Prozent und Entnahme 10.000 Euro ergibt 82.000 Euro. Eigene Zweijahresrechnung aus dem Artikel. Entnahme jeweils nach der Jahresrendite. Ohne Kosten, Steuern, Inflation oder weitere Einzahlungen. Ohne Entnahmen würden beide Reihenfolgen bei 100.000 € enden. Hypothetische Renditen, keine Prognose oder Empfehlung einer Entnahmehöhe.
Gleiche Renditen, unterschiedliche Restbeträge
| Schritt | Verlust zuerst | Gewinn zuerst |
|---|---|---|
| Start | 100.000 Euro | 100.000 Euro |
| Nach Rendite Jahr 1 | 80.000 Euro | 125.000 Euro |
| Nach Entnahme Jahr 1 | 70.000 Euro | 115.000 Euro |
| Nach Rendite Jahr 2 | 87.500 Euro | 92.000 Euro |
| Nach Entnahme Jahr 2 | 77.500 Euro | 82.000 Euro |
Ohne Entnahmen wären beide Varianten wieder bei 100.000 Euro: 100.000 × 0,80 × 1,25. Mit identischen Auszahlungen beträgt der Unterschied 4.500 Euro. Die frühe Entnahme nach dem Verlust nimmt Kapital aus dem Portfolio, das an der späteren Erholung nicht mehr teilnehmen kann.
Feste Beträge oder variable Entnahmen
| Methode | Vorteil für die Planung | Zielkonflikt |
|---|---|---|
| Fester Eurobetrag | Die Zahlung ist zunächst gut kalkulierbar. | Bei Verlusten steigt ihr Anteil am Restvermögen. |
| Fester Prozentsatz des aktuellen Vermögens | Die Entnahme passt sich rechnerisch an den Depotwert an. | Das verfügbare Einkommen schwankt. |
| Regeln mit Ober- und Untergrenzen | Schwankungen können begrenzt werden. | Die Regeln werden komplexer und benötigen Überprüfung. |
Keine Methode löst gleichzeitig sämtliche Ziele. Wer Auszahlungen möglichst stabil halten möchte, übernimmt andere Risiken als jemand, dessen Ausgaben stark anpassbar sind. Eine pauschal „sichere“ Entnahmequote ohne Angaben zu Zeitraum, Kosten, Anlageaufteilung und gewünschter Restsubstanz wäre nicht aussagekräftig.
Liquidität und Planungshorizont
Zur Entnahmeplanung gehört die Frage, welche Ausgaben kurzfristig feststehen und welche sich verschieben lassen. Ein Liquiditätspuffer kann helfen, nicht jeden Zahlungstermin unmittelbar mit einem Wertpapierverkauf verbinden zu müssen. Er hat zugleich einen eigenen Zielkonflikt: Geld außerhalb des langfristigen Portfolios nimmt nicht in gleicher Weise an dessen Entwicklung teil.
Ebenso wichtig ist der Zeitraum. Soll das Kapital einige Jahre überbrücken, über viele Jahrzehnte ergänzen oder möglichst erhalten bleiben? Diese Ziele führen zu unterschiedlichen Planungsanforderungen. Die passende Antwort hängt von der gesamten finanziellen Situation ab, nicht allein von einer App-Einstellung.
Inflation, Kosten und andere Einkünfte
Ein nominell unveränderter Auszahlungsbetrag kann im Laufe der Zeit weniger kaufen. Wer seine Ausgabenrechnung in heutigen Preisen aufstellt, sollte diese Ebene von nominalen Depotwerten unterscheiden. Verwaltungskosten laufen gegebenenfalls während der Entnahmephase weiter. Bei Verkäufen können zusätzliche Kosten entstehen; Details richten sich nach dem Angebot.
Für österreichische Anleger kann ein Portfolio beispielsweise neben Pension oder anderen Einkünften stehen. Die Website gibt dafür keine persönliche Entnahmequote vor. Steuerliche Wirkungen einzelner Verkäufe und individuelle Vorsorgefragen müssen gesondert geklärt werden. Die Mechanik des Entnahmeplans lässt sich dennoch ohne individuelle Steuerrechnung verstehen.
Fragen an den Anbieter
- Ist eine automatische regelmäßige Auszahlung überhaupt vorgesehen?
- Welche Anlagen werden für die Auszahlung verkauft?
- Wie werden Termin, Mindestbetrag und Bearbeitungszeit geregelt?
- Kann ich Auszahlungen ändern, aussetzen oder einmalig erhöhen?
- Bleibt die Portfolioaufteilung nach Verkäufen erhalten?
- Welche Informationen zeigen Kapitalverbrauch und erzielte Erträge getrennt?
Ein guter Entnahmeplan macht die Geldflüsse nachvollziehbar. Ob das Vermögen für die eigenen Ziele ausreicht, ist eine weitergehende Planungsfrage.
Regelmäßige Auszahlungen und die dabei anfallenden Kosten sollten beim jeweiligen Anbieter ausdrücklich geklärt werden. Anbieter und Auszahlungsbedingungen vergleichen
Quellen und Vertiefung
Quellen für diesen Entwurf geprüft am 4. November 2026. Internationale Quellen werden für allgemeine Anlageprinzipien verwendet; ausländische Vorschriften werden nicht auf Österreich übertragen. Modellbeispiele sind als solche gekennzeichnet.