Begriffe richtig lesen
Ein Fachbegriff ist dann hilfreich, wenn er eine konkrete Frage beantwortet. Bei einem Robo-Advisor sollten Sie beispielsweise unterscheiden können, ob eine Kennzahl das gesamte Portfolio, einen einzelnen Fonds oder die Verwaltungsleistung beschreibt. Dieses Glossar erklärt zentrale Begriffe und führt zu den ausführlichen Artikeln. Es ersetzt keine Beschreibung der Vertragsbedingungen eines einzelnen Angebots.
Für den Einstieg können Sie die Begriffe alphabetisch nachschlagen. Wenn Sie anschließend einen Anbietertext lesen, fragen Sie jeweils: Auf welchen Teil der Anlage bezieht sich die Aussage? Welcher Zeitraum ist gemeint? Und welche Kosten oder Risiken sind in der Darstellung noch nicht enthalten?
Von Aktie bis ESG
Aktie
Ein Anteil an einem Unternehmen. Aktionärinnen und Aktionäre können an dessen wirtschaftlicher Entwicklung teilhaben. Kursveränderungen und mögliche Ausschüttungen bestimmen das Anlageergebnis. Ein einzelnes Unternehmen ist dabei etwas anderes als ein breit zusammengesetztes Aktienportfolio. Begriff bei Finanznavi ↗
Anleihe
Ein Wertpapier, mit dem sich ein Emittent Geld leiht. Die Bedingungen regeln beispielsweise Verzinsung und Rückzahlung. Für die Beurteilung sind die Zahlungsfähigkeit des Schuldners und der Preis wichtig, zu dem die Anleihe gekauft oder verkauft wird. Begriff bei Finanznavi ↗
Bonität
Die Einschätzung der Kreditwürdigkeit eines Schuldners. Bei einer Anleihe betrifft sie die Frage, ob vereinbarte Zahlungen geleistet werden können. Die Bezeichnung eines Schuldners allein ersetzt deshalb keine Auseinandersetzung mit seiner wirtschaftlichen Lage. Begriff bei Finanznavi ↗
Börsenindex
Eine Kennzahl, die die Entwicklung einer ausgewählten Gruppe von Wertpapieren zusammenfasst. Bei einem Aktienindex sind Auswahl und Gewichtung der Unternehmen entscheidend. Der Name des Index allein erklärt noch nicht, welche wirtschaftlichen Schwerpunkte darin liegen. Begriff bei Finanznavi ↗
Depot
Die Stelle, an der Wertpapierbestände geführt und verbucht werden. Im Depotauszug finden Sie beispielsweise Stückzahlen und Bewertungen. Ein Depot ist vom Guthaben auf einem Konto zu unterscheiden; beides kann in derselben Benutzeroberfläche angezeigt werden. Begriff bei Finanznavi ↗
Diversifikation
Die Verteilung von Anlagen auf mehrere wirtschaftliche Risiken. Dazu können verschiedene Unternehmen, Branchen, Regionen und Anlageklassen beitragen. Für die Beurteilung zählt, was tatsächlich enthalten ist, nicht nur die Zahl der Positionen in einer Übersicht. Begriff bei Finanznavi ↗
Dividende
Eine Ausschüttung einer Aktiengesellschaft an ihre Aktionärinnen und Aktionäre. Sie ist ein Bestandteil des Ergebnisses einer Aktienanlage. Wer nur Ausschüttungen betrachtet, lässt die Veränderung des Aktienkurses und damit einen wesentlichen Teil der Gesamtentwicklung außer Acht. Begriff bei Finanznavi ↗
Emittent
Die Organisation, die ein Wertpapier ausgibt. Bei einer Unternehmensanleihe nimmt das Unternehmen auf diesem Weg Fremdkapital auf. Bei Aktien geht es um Eigenkapital. Aus dem Begriff folgt daher noch nicht, welche Rechte das jeweilige Wertpapier vermittelt. Begriff bei Finanznavi ↗
ESG
Die Abkürzung für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Diese drei Bereiche können Kriterien für die Anlageauswahl liefern. Für einen Vergleich muss erkennbar sein, welche Kriterien ein Angebot konkret verwendet und welche Unternehmen dadurch einbezogen oder ausgeschlossen werden. Begriff bei Finanznavi ↗
Von Inflation bis Währungsrisiko
Inflation
Ein Anstieg des allgemeinen Preisniveaus. Für die Geldanlage ist die damit verbundene Kaufkraft entscheidend: Ein höherer Eurobetrag kann nach einer Preissteigerung weniger zusätzliche Güter und Leistungen finanzieren, als der nominale Zuwachs zunächst vermuten lässt. Begriff bei Finanznavi ↗
Kupon
Die vertraglich festgelegte Verzinsung einer Anleihe, bezogen auf ihren Nennwert. Ein Kupon ist nicht ohne Weiteres mit der Rendite eines Käufers gleichzusetzen. Für dessen Ergebnis zählen auch Kaufpreis, Rückzahlung und weitere Zahlungsströme. Begriff bei Finanznavi ↗
Liquidität
Hier: wie rasch eine Anlage in verfügbares Geld umgewandelt werden kann. Die Frage nach der Geschwindigkeit sollte immer mit der Frage nach dem erzielbaren Preis verbunden werden. Ein Verkauf kann schnell möglich sein und trotzdem zu einem ungünstigen Kurs erfolgen. Begriff bei Finanznavi ↗
Liquiditätsrisiko
Das Risiko, eine Anlage nicht rasch zu einem angemessenen Preis verkaufen zu können. Es betrifft nicht nur die grundsätzliche Handelbarkeit, sondern die konkreten Bedingungen des Marktes. Für geplante Ausgaben ist diese Unterscheidung besonders wichtig. Begriff bei Finanznavi ↗
Order
Ein Auftrag zum Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers. Der Auftrag und seine tatsächliche Ausführung sind zwei unterschiedliche Schritte. Wenn Sie einen Ablauf nachvollziehen möchten, betrachten Sie deshalb sowohl die Auftragserteilung als auch die Abrechnung. Begriff bei Finanznavi ↗
Portfolio
Die Gesamtheit der betrachteten Anlagen. Je nach Zusammenhang kann damit das Depot bei einem Anbieter oder das gesamte angelegte Vermögen gemeint sein. Vor einem Vergleich muss klar sein, welche dieser Betrachtungsebenen verwendet wird. Begriff bei Finanznavi ↗
Realrendite
Die Rendite unter Berücksichtigung der Inflation. Näherungsweise wird die Inflationsrate von der nominalen Rendite abgezogen. Für genaue Berechnungen werden die Wachstumsfaktoren ins Verhältnis gesetzt. Ob Gebühren und Steuern bereits abgezogen sind, muss zusätzlich angegeben werden. Begriff bei Finanznavi ↗
Währungsrisiko
Die Möglichkeit, dass sich Wechselkursänderungen auf den Wert einer Anlage auswirken. Bei internationalen Portfolios lohnt die Frage, in welchen Währungen wirtschaftliche Risiken bestehen und ob beziehungsweise wie diese abgesichert werden. Begriff bei Finanznavi ↗
Weitere Begriffe im Zusammenhang
Einige Themen lassen sich mit einer Ein-Satz-Definition nur unzureichend erklären. Die folgenden Fachartikel zeigen deshalb auch Beispiele, Grenzen und typische Missverständnisse.
| Begriff | Die Frage dahinter | Vertiefung |
|---|---|---|
| Asset Allocation | Wie wird Vermögen auf Anlageklassen verteilt? | Portfoliostruktur verstehen |
| Rebalancing | Wie werden verschobene Zielgewichte wiederhergestellt? | Umschichtungen nachvollziehen |
| Risikoprofil | Wie werden Ziele, Tragfähigkeit und Bereitschaft eingeordnet? | Den Fragebogen verstehen |
| ETF | Welche Anlagen stecken in einem börsengehandelten Fonds? | Fondsbausteine einordnen |
| Benchmark | Mit welchem Maßstab wird ein Ergebnis verglichen? | Renditeangaben beurteilen |
| Backtest | Wie hätte eine Regel in historischen Daten abgeschnitten? | Rückrechnungen hinterfragen |
| Drawdown | Wie weit ist ein Wert seit einem vorherigen Hoch gefallen? | Verluste einordnen |
| Sequenzrisiko | Warum kann die Reihenfolge von Renditen bei Entnahmen entscheidend sein? | Entnahmen verstehen |
Ein Beispiel für nominale und reale Werte
Angenommen, eine Anlage wächst in einem Jahr von 10.000 auf 10.400 Euro. Ihre nominale Rendite beträgt 4 Prozent. Steigt das allgemeine Preisniveau im selben Jahr modellhaft um 3 Prozent, lautet die Rechnung für den Kaufkraftzuwachs: 1,04 geteilt durch 1,03 minus 1. Das ergibt rund 0,97 Prozent.
Das Beispiel zeigt auch, warum die Beschriftung einer Zahl wichtig ist. „Vier Prozent“ kann einen Zinssatz, eine Rendite, eine Gebühr oder einen Anteil am Portfolio bezeichnen. Aussagekräftig wird die Zahl erst durch Bezugsgröße, Zeitraum und Berechnungsmethode.
Drei Fragen zu jeder Kennzahl
- Worauf bezieht sich der Wert? Auf den gesamten Anlagebetrag, den durchschnittlichen Depotwert, einen Fonds oder nur einen Teilzeitraum?
- Was ist bereits berücksichtigt? Sind Verwaltungs- und Produktkosten enthalten? Handelt es sich um ein Ergebnis vor oder nach Inflation?
- Was lässt sich daraus ableiten? Eine historische Beschreibung ist keine Zusicherung für die Zukunft. Eine Kennzahl kann einen Aspekt gut beschreiben und andere Fragen offenlassen.
Wenn ein Begriff in einer Anbieterbeschreibung unklar bleibt, ist die Nachfrage nach einem Eurobeispiel oft aufschlussreich. „Wie würden Sie das bei einem gleichbleibenden Anlagebetrag von 10.000 Euro abrechnen?“ ist konkreter als die bloße Frage, ob ein Angebot günstig sei. Welche Informationen Sie für einen vollständigen Gebührenvergleich benötigen, erläutert der Leitfaden zu Robo-Advisor-Kosten.
Quellen und Vertiefung
- Finanznavi: Aktie
- Finanznavi: Anleihe
- Finanznavi: Bonität
- Finanznavi: Börsenindex
- Finanznavi: Depot
- Finanznavi: Diversifikation
- Finanznavi: Dividende
- Finanznavi: Emittent
- Finanznavi: ESG
- Finanznavi: Inflation
- Finanznavi: Kupon
- Finanznavi: Liquidität
- Finanznavi: Liquiditätsrisiko
- Finanznavi: Order
- Finanznavi: Portfolio
- Finanznavi: Realrendite
- Finanznavi: Währungsrisiko
Quellen für diesen Entwurf geprüft am 4. November 2026. Internationale Quellen werden für allgemeine Anlageprinzipien verwendet; ausländische Vorschriften werden nicht auf Österreich übertragen. Modellbeispiele sind als solche gekennzeichnet.