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Kosten und Risiken

Renditeangaben bei Robo-Advisors richtig vergleichen

Eine Prozentzahl wird erst aussagekräftig, wenn klar ist, was sie misst. Für einen fairen Vergleich müssen Zeitraum, Risiko, Kosten und Berechnungsmethode zusammenpassen.

4 Minuten LesezeitRedaktionsstand 04.11.2026Perspektive Österreich

Was hinter einer Renditezahl stehen kann

„Sechs Prozent Rendite“ klingt eindeutig. Gemeint sein können jedoch der Ertrag eines einzelnen Jahres, ein jährlicher Durchschnitt über mehrere Jahre oder ein Gesamtergebnis seit dem Start. Zusätzlich ist offen, ob Gebühren enthalten sind, Ausschüttungen wieder angelegt wurden und welche Währung verwendet wird. Bevor zwei Zahlen nebeneinanderstehen, sollten diese Fragen beantwortet sein.

Rendite beschreibt grundsätzlich die Wertveränderung im Verhältnis zum eingesetzten Kapital. Sobald während des betrachteten Zeitraums Geld hinzugefügt oder entnommen wird, reicht der Vergleich von Anfangs- und Endwert nicht mehr aus. Ein gewachsenes Depot kann schlicht auf zusätzlichen Einzahlungen beruhen.

Zeitgewichtet oder geldgewichtet

Die GIPS-Einführung des CFA Institute unterscheidet zeitgewichtete und geldgewichtete Renditen. Die zeitgewichtete Methode neutralisiert den Einfluss externer Zahlungsströme, indem Teilperioden verknüpft werden. Die geldgewichtete Methode berücksichtigt dagegen Zeitpunkt und Umfang dieser Zahlungen. Sie beantwortet stärker die Frage, wie sich das tatsächlich eingesetzte Geld entwickelt hat.

KennzahlWas steht im Vordergrund?Typische Lesart
Zeitgewichtete RenditeEntwicklung der Strategie über die TeilperiodenWie entwickelte sich das Portfolio unabhängig von meinen Einzahlungen?
Geldgewichtete RenditeMein Kapital und der Zeitpunkt seiner AnlageWelches Ergebnis ergaben meine tatsächlichen Zahlungsströme?
Absoluter Gewinn oder VerlustEurobetrag nach Berücksichtigung der GeldbewegungenWie viel mehr oder weniger Vermögen ist vorhanden?

Die Kennzahlen konkurrieren nicht darum, welche „wahr“ ist. Sie beleuchten unterschiedliche Aspekte. Für einen Strategievergleich ist es problematisch, eine zeitgewichtete Anbieterzahl mit der persönlichen geldgewichteten Rendite eines Depots zu vergleichen.

Einzahlungszeitpunkte verändern das persönliche Ergebnis

Eigenes Modellbeispiel: Ein Portfolio steigt im ersten Jahr um 20 Prozent und fällt im zweiten um 10 Prozent. Ohne externe Zahlungen werden aus 10.000 Euro zunächst 12.000 und anschließend 10.800 Euro. Die gesamte zeitgewichtete Rendite beträgt 1,20 × 0,90 − 1 = 8 Prozent. Jährlich entspricht das rund 3,92 Prozent, berechnet als √1,08 − 1.

Wer nach dem ersten Jahr weitere 10.000 Euro einzahlt, beginnt das zweite Jahr dagegen mit 22.000 Euro und endet bei 19.800 Euro. Insgesamt wurden 20.000 Euro eingezahlt: Der Euroverlust beträgt 200 Euro. Die Strategie hatte dennoch dieselbe zeitgewichtete Entwicklung. Mehr Kapital war gerade in der schwächeren Phase investiert. Das Beispiel enthält keine Gebühren, Steuern oder Ausschüttungen.

Nach welchen Kosten?

Bezeichnungen wie „netto“ sollten genau erklärt werden. Eine Rendite kann bereits nach Fondskosten, aber vor der Gebühr des Vermögensverwalters dargestellt sein. Bei einer anderen Zahl sind beide Ebenen enthalten. Die individuelle steuerliche Situation kann zusätzlich abweichen und wird hier nicht pauschal eingerechnet.

Ein nützlicher Kontrollsatz lautet: „Diese Wertentwicklung gilt für dieses Portfolio, in diesem Zeitraum, mit diesen berücksichtigten Kosten.“ Fehlt ein Teil, bleibt der Vergleich unvollständig. Gebühren, die bereits im Fondswert enthalten sind, werden nicht ein zweites Mal abgezogen.

Nominale und reale Rendite auseinanderhalten

Ein steigender Depotwert bedeutet nicht automatisch einen gleich großen Kaufkraftgewinn. Die EZB erklärt Inflation als Preisveränderung eines repräsentativen Warenkorbs. Welche Ausgaben Sie persönlich haben, kann von diesem Durchschnitt abweichen.

Modellbeispiel: Bei angenommenen 6 Prozent nominaler Rendite und 2,5 Prozent Inflation beträgt die reale Rendite rund 3,41 Prozent. Gerechnet wird 1,06 ÷ 1,025 − 1. Die einfache Subtraktion ergibt 3,5 Prozent und ist nur eine Näherung. Beide Annahmen sind frei gewählt; Kosten und Steuern sind in diesem Beispiel nicht berücksichtigt.

Eine passende Benchmark wählen

Ein Portfolio mit einem erheblichen Anleihenanteil lässt sich nicht allein daran beurteilen, ob es einen reinen Aktienindex übertroffen hat. Die Aufgaben und Risiken sind unterschiedlich. Eine sinnvolle Vergleichsgröße sollte zur Anlageaufteilung, Währung, Ausschüttungsbehandlung und zum Betrachtungszeitraum passen.

Das gilt auch zwischen Robo-Advisors. Ähnliche Namen wie „ausgewogen“ müssen nicht dieselbe Aktienquote oder dieselben Risiken bedeuten. Neben der Rendite gehören deshalb mindestens Portfoliozusammensetzung und beobachtete Verlustphasen in die Betrachtung. Ein einzelnes erfolgreiches Jahr beantwortet nicht, wie eine Strategie in anderen Bedingungen arbeitet.

Checkliste für eine Renditetabelle

  • Sind Start- und Enddatum identisch?
  • Ist die Zahl jährlich oder über den Gesamtzeitraum berechnet?
  • Werden reale Kundenergebnisse, ein Musterdepot oder ein Backtest gezeigt?
  • Welche Gebühren und Ausschüttungen sind enthalten?
  • Sind Währung und Risikoprofil vergleichbar?
  • Ist die Benchmark sachlich passend?

Ein Vergleich darf historische Ergebnisse sichtbar machen. Aus der bisherigen Reihenfolge lässt sich jedoch keine verlässliche Reihenfolge für die Zukunft ableiten.

Quellen und Vertiefung

  1. CFA Institute: Einführung in die GIPS-Standards
  2. EZB: Inflation und Verbraucherpreise

Quellen für diesen Entwurf geprüft am 4. November 2026. Internationale Quellen werden für allgemeine Anlageprinzipien verwendet; ausländische Vorschriften werden nicht auf Österreich übertragen. Modellbeispiele sind als solche gekennzeichnet.